Premiere
05. Juni 2026

Dauer
110 Minuten + 20 Min. Pause

Altersempfehlung
ab 12 Jahren

Ein Bistum in Aufruhr und ein Bischof in Nöten sorgen für einen satirischen, urkomischen und schließlich nachdenklichen Blick auf die Institution Kirche.

 

 

Inszenierung - Marc Ossenbrink
Bühne - Stefan Böhmer, Frank Fischer
Kostüme - Maya Fichtel

Regieassistenz 
- Carina Vogel

Besetzung - Philip Zangerl, Christoph Güldenring, Niklas Schier, Monika Owart, Astrid Gottschalk, Michelle Ossowski, Sophie-Catherine Hülper, Alexander Klein, Ben Bremer

KARDINALFEHLER: Macht, Moral und Mauschelei

Ein kleines Bistum, ein großer Anlass – und ein Problem, das möglichst nicht publik werden darf. In der satirischen Komödie „Kardinalfehler“ gerät eine scheinbar makellose Kirchenwelt plötzlich gehörig ins Wanken – und zwar schneller, als man „Amen" sagen kann. Bischof Konrad Glöckner gilt als Musterbeispiel eines modernen Kirchenmannes: tatkräftig, moralisch unangreifbar und stets bemüht, die dunklen Schatten der Vergangenheit konsequent aufzuarbeiten. Sein Bistum präsentiert sich als vorbildlich – kaum Kirchenaustritte, keine Skandale, alles scheint bestens bestellt: eine Bilderbuchkirche mit glänzender Bilanz. Kein Wunder also, dass ausgerechnet hier ein besonderes Ereignis stattfinden soll: zum großen Jubiläum des Bistums hat sich der Papst höchstpersönlich angekündigt. Ein Besuch, der Ruhm, Anerkennung und vielleicht sogar eine steile Karriere im Vatikan bringen könnte – und damit auch zahlreiche Vorteile für das Bistum verspricht. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, jedes Detail wird geplant, jede Kleinigkeit durchdacht. Alles soll perfekt sein. Doch je näher der große Tag rückt, desto deutlicher zeigt sich, dass die glänzende Fassade nicht ganz so stabil ist, wie sie scheint. Da taucht jemand aus der Vergangenheit auf, ein vatikanischer Funktionär will genauer hinschauen, und plötzlich drohen alte Geheimnisse ans Licht zu kommen. 

Was als kleine Sache beginnt, entwickelt schnell eine ungeahnte Eigendynamik. Hinter verschlossenen Türen wird beraten, vertuscht, improvisiert – und vor allem gelogen, bis sich die Kirchenbalken biegen. Man versucht, die Kontrolle zu behalten, doch das selbstgestrickte Geflecht aus Halbwahrheiten wird immer dichter und unübersichtlicher. Aus dem wachsenden Berg von Notlügen entwickelt sich ein turbulenter Wettlauf gegen die Zeit, bei dem sich die Ereignisse immer weiter zuspitzen. Wer weiß was? Wem ist noch zu trauen? Und wie lange lässt sich die Wahrheit noch unter Verschluss halten? Mit viel Tempo, bissigem Humor und scharfem Blick für menschliche Eitelkeiten nehmen die Autoren Dietmar Jacobs und Alistair Beaton in dieser Komödie die Machtstrukturen der Kirche ebenso aufs Korn wie den allzu menschlichen Wunsch, Fehler lieber zu vertuschen als einzugestehen. Dabei entsteht ein pointierter Blick hinter die Kulissen einer Institution im Spannungsfeld zwischen Unfehlbarkeit und menschlichen Schwächen. Das Ergebnis ist ein ebenso unterhaltsamer wie provokanter Theaterabend, der zeigt: Manchmal sind nicht die Fehltritte selbst, sondern die Art, wie man mit ihnen umgeht, das größere Problem.

Das schreibt die Presse zu "Kardinalfehler"

Gelächter ab Minute eins

"Kardinalfehler" sorgte im ausverkauften Saal an der Borner Straße von der ersten Minute an für Gelächter. Die Satire auf die Institution Kirche ist in deutsch-britischer Team Arbeit entstanden. Autor Dietmar Jakobs ("Extrawurst") weiß, wie man brisante Themen unterhaltsam verpackt. Für Kardinalfehler machte er gemeinsame Sache mit Alistair Beaton, der in seinen Stücken sonst Politiker und Royals aufs Korn nimmt. In seiner Inszenierung zieht der Regisseur Marc Ossenbrink seine Pointen aus der klaffenden Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. (...) 

Auf der Bühne, die Stefan Böhmer und Frank Fischer mit Heiligenbildern und Leuchtkreuz ausgestattet haben, agiert Philip Zangerl in der Rolle des Bischofs Glöckner als großer Zauderer. Er lässt sich von seinem Generalvikar (Christoph Güldenring) die Entscheidungen soufflieren. Erst recht abhängig ist er von seiner selbstbewussten Haushälterin (Astrid Gottschalk): 'Ohne uns Frauen geht hier nichts!'. Den Gegensatz zwischen Zangerl und Güldenring unterstreicht Kostümbildnern Maya Fichtel. Während der eine in schwarz-roter Amtstracht prunkt, präsentiert sich der andere buchstäblich als graue Eminenz. Wie in heiligen Zorn rechnet Emma (Michelle Ossowski) mit der institutionalisierten Heuchelei ab.  (...) Durch einen inneren Konflikt geht Priesterseminarist Matteo. Dessen Darsteller Alexander Klein läuft zur Höchstform auf, als er über die Urkraft des Christentums spricht - Liebe, die keine Grenzen kennen sollte. (...) Nach gut zwei Stunden sprangen die Besucher von ihren Sitzen auf und klatschten ausgelassen." (Westdeutsche Zeitung)

Teuflisch gut!

"Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man eigentlich drüber lachen. Müsste? Man muss! (...) Regisseur Marc Ossenbrink darf zufrieden sein: Schon in der Pause war für Gesprächsstoff gesorgt - und während des Stückes für Gemurmel, Kommentare und reichlich Lacher. Ossenbrink lieferte von A bis Z eine begeisternde Inszenierung ab. Bühnen bild (Stefan Böhmer & Frank Fischer) und Kostüme (Maya Fichtel) sind geradezu sinnbildlich für den inneren Widerspruch der Figuren: Schein und Sein prallen hart aufeinander. Verkörpert werden die Figuren im TiC bravourös. Christoph Güldenring billiert  als Generalvikar, Astrid Gottschalk als handfeste Haushälterin. Michelle Ossowski als Emma bringt das Ringen mit ihrem Vater und ihre Rolle im Ränkespiel der Kircheoberen eindringlich auf die Bühne. Mit Alexander Klein als Matteo mündet das Stück in ein Finale furioso: berührend und eindrucksvoll. Niklas Schier wiederum überzeugt als päpstlicher Reisemarschall Miller. Hut ab vor Schier - kaum zu glauben, dass dieser 'Pitbull' im wirklichen Leben Pfarrer ist...! Philip Zangerl als Bischof - eine Paraderolle. Zangerls Spiel ist 'sakra' - teuflisch gut. (Cronenberger Woche)